lesen.zuschauen.mitmachen.
Top

Schutz der Kleinwale - “ASCOBANS”-Konferenz in Bonn

September 20, 2009 von admin 

Massaker an WalenAuf dem UN Campus in Bonn beschäftigt sich eine dreitägige Konferenz des Kleinwalschutzabkommens ASCOBANS mit dem Schutz der Meeressäuger. Zehn Anrainerstaaten der nördlichen Meere nehmen teil, Norwegen als Beobachter. Auf der Tagesordnung stehen Pläne zum Erhalt der Schweinswale in der Nord- und Ostsee sowie Fortschritte zum Schutz von Kleinwalen und Delfinen vor Lärm und Beifang.

Foto: “This is the whale massacre happening each year in Faroe Islands” (04-2005), Voodoo911, public domain

Die größte Gefährdung der Kleinwale und Delfine in Nord-, Mittel- und Westeuropa geht nach wie vor von Beifängen in Fischernetzen aus und die Zahl der von Fischern über Bord geworfenen und angestrandeten Tiere hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Auch Unterwasserlärm wird zunehmend zu einer ernsten Gefahrenquelle.

„Wir dürfen unseren Mini-Wal in Nord- und Ostsee nicht verlieren. Ich freue mich über das internationale Engagement in Bonn und begrüße, dass auch das Fischerei-Ministerium eine Lösung für die Minderung der Beifanggefährdung von Schweinswalen sucht”, lobte Umweltminister Sigmar Gabriel.

Das Schutzabkommen für die Kleinwale (ASCOBANS) steht unter dem Dach der Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) und dem zugehörigen Übereinkommen zum Schutz wandernder Wild-Tierarten.

WWF: Walfang ist ökonomischer Unsinn

Die Regierungen von Norwegen und Japan subventionieren die umstrittene Jagd auf Wale mit Steuergeldern. Das ergab eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF in Zusammenarbeit mit der Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS). Demnach ist das Jagen und Töten von Walen ein unprofitabler und defizitärer Industriezweig. „In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise ist es weder strategisch klug, noch nachhaltig, wertvolle Steuergelder für eine Branche zu verschwenden, die aus eigener Kraft nicht überlebensfähig ist“, sagt WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Trotz des Moratoriums und dem weitgehenden Verbot von kommerziellem Walfang erlegen Japan und Norwegen jährlich rund 1500 der großen Meeressäuger.

Sinkende Nachfrage nach Walfleisch

Dabei betrug in Norwegen die staatlichen Förderungen fast die Hälfte des Bruttowerts, den die Fischerei-Handelsorganisation Rafisklaget durch den Absatz von Walfleisch erwirtschaftet hat. Ökonomisch ähnlich schlecht steht es um die Walfangflotte der Japaner: Die Regierung in Tokio hat allein in der Saison 2008/2009 rund 12 Millionen US-Dollar an Steuergeldern in die umstrittene Jagd gepumpt um eine ausgeglichene Bilanz zu erzielen. Insgesamt beliefen sich die japanischen Subventionen der vergangenen zwanzig Jahre auf 164 Millionen US-Dollar. Demgegenüber steht eine sinkende Nachfrage: So fiel der Preis pro Kilogramm Walfleisch in Japan von 30 US-Dollar im Jahr 1994 auf rund 16 US-Dollar im Jahr 2006. Hinzu kommen negative Auswirkungen wie etwa Handelsboykotte oder Schäden für den Tourismussektor. „Japan und Norwegen verschwenden Millionen von Steuergeldern, um aus einer Trotzhaltung Wale zu jagen. Damit schaden sie zugleich einer zunehmend profitablen Einnahmequelle, der sanften Nutzung von Walen durch deren Beobachtung.“ sagt Nicolaus Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland.

Wale leiden unter Klimawandel

Die Situation der Meeressäuger wird nach einem aktuellen WWF-Bericht immer dramatischer: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere werden demnach auch Wale, Delfine und Tümmler betreffen. So lösen etwa höhere Wassertemperaturen bei den kälteliebenden Grönlandwalen Stress aus, der sie anfälliger für Krankheiten macht. Ähnlich negativ wirkt sich ein niedrigerer Meeressalzgehalt, hervorgerufen durch das Abschmelzen der Polkappen, auf das Immunsystem der Tiere aus. Hinzu kommt, dass Kleinlebewesen wie Krill, Ruderflusskrebse oder andere Planktonarten, Nahrungsquelle für zahlreiche Walarten, durch klimatische Veränderungen nicht mehr in dem Maße oder zu dem Zeitpunkt verfügbar sind, wie eigentlich notwendig.

Hoffnung auf einen Kompromiss

So wird es seitens des WWF als ein kleiner Hoffnungsschimmer gewertet, dass sich die IWC-Vertragsstaaten trotz eines vorzeitigen Endes der letzten Konferenz noch auf eine Klima-Resolution zum Schutz der Wale verständigen konnten. Sie erkennen damit die globale Erwärmung als einen Hauptbedrohungsfaktor für Wale und Delfine an. Mit dem Beschluss müssen sich IWC-Mitglieder bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen Ende 2009 für eine drastische Reduzierung ihrer CO2-Emmissionen einsetzen. Bemerkenswert ist, dass der Vorschlag für diese Resolution von Seiten der Walfanggegner USA und Walfänger Norwegen eingebracht wurde und im Konsens aller Mitgliedsstaaten angenommen wurde. „Die IWC ist noch immer nicht handlungsfähig und die pseudo-wissenschaftliche Waljagd wird auch in der nächsten Saison weitergehen, doch die Resolution zum Klimawandel lässt mich darauf hoffen, dass im Laufe der kommenden zwölf Monate ein Kompromiss gefunden werden kann“, resümiert der WWF-Experte für Meeressäuger Volker Homes.

Als Lesezeichen anlegen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Linkarchiv
  • LinkedIn
  • Tausendreporter
  • Wikio
  • YahooMyWeb
  • Bloglines
  • Facebook
  • Linkarena
  • Technorati
  • Webbrille
  • Wikio DE
  • TwitThis

Kommentare

Ein Kommentar zu “Schutz der Kleinwale - “ASCOBANS”-Konferenz in Bonn”

  1. admin am September 24th, 2009 12:14

    UNO-Konferenz in Bonn beschließt Schutzpläne für Schweinswale in Nord- und Ostsee

    (24.09.09) - Vertreter von elf Staaten haben auf Einladung des Abkommens zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee, des Nordost-Atlantiks und der Irischen See (ASCOBANS) im UN Campus Bonn getagt und eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz von Schweinswalen in Nord- und Ostsee beschlossen. Unterstützt wurden sie dabei durch eine Reihe internationaler Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die auch im Meeresschutz aktiv sind.

    Zwei der größten Gefährdungen für Kleinwale, der Beifang (der ungewollte Fang durch die Fischerei) und die Belastung durch Unterwasserlärm, wurden in der strategischen Ausrichtung des Abkommens für die nächsten Jahre als Prioritäten festgelegt.
    Dabei wurden zwei Eckpfeiler für die zukünftige Arbeit von ASCOBANS verabschiedet.

    Eine aktualisierte Fassung des Erholungsplans für den Ostsee-Schweinswal (Jastarnia Plan) legt Schutzmaßnahmen für die ca. 600 noch verbleibenden Schweinswale in der zentralen Ostsee fest. So sollen der Beifang reduziert, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit vorangetrieben und ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten aufgebaut werden.

    Ein neuer Schutzplan für den Schweinswal in der Nordsee widmet sich einer Vielzahl von Gefährdungen, denen sich die Art in der intensiv genutzten Nordsee gegenüber sieht. Die Konferenz einigte sich darauf, Richtlinien zu erstellen, die das Problem negativer Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Meeressäugetiere angehen. Zum Beispiel wird für die kommenden Jahre ein exponenzieller Anstieg des Baus von Offshore-Windkraftanlagen erwartet. Die mit der Verankerung der meisten Anlagentypen verbundenen Rammarbeiten verursachen so großen Lärm, dass sich in der Nähe aufhaltende Tiere ernste körperliche Verletzungen davontragen können. Da es oft schwierig ist, langfristige negative Effekte von Lärmbelastung auf Wale und Delphine nachzuweisen, haben sich die Regierungen darauf geeinigt, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, um ungewollte Schäden durch Aktivitäten im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien zu vermeiden.

    Außerdem wurden in Bonn Themen bestimmt, die ASCOBANS in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Einrichtungen angehen kann wie die Öffentlichkeitsarbeit, um das Vorkommen von Kleinwalen, Delphinen und Schweinswalen in Nord- und Ostsee und Nordost-Atlantik sowie ihre Gefährdung bekannter zu machen. Die Unterstützung der Öffentlichkeit ist eine wichtige Voraussetzung für den Schutz der Tiere.





Gerne können Sie hier Ihren Kommentar hinterlassen...
und wenn Sie zusätzlich ein kleines Bild von sich zeigen möchten, nutzen Sie dafür einen Gravatar.
HINWEIS: Jeder neue Kommentar wird vor der Freigabe durch einen Moderator geprüft! Bitte geben Sie Ihren Namen und eine gültige Mailadresse an.

Bottom