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Lesezeichen: Bitte legen Sie nicht auf! oder “Servicewüste” - die Erste!

Januar 12, 2008 von admin 

Es war ein Fehler gewesen aufs Land zu ziehen. Nicht der Natur und der guten Luft wegen. Auch die ausgedehnten Fahrradtouren durch die Voreifel, die entspannten Waldläufe und die Sommernachmittage an versteckten Naturseen möchte ich nicht missen. Nein, das war schon in Ordnung. Die Jahreszeiten waren dort draußen noch wirkliche Jahreszeiten mit Hitze, Kälte, Frost und Sturm. Und ich genoss die Ruhe und Beschaulichkeit bei meinen ausgedehnten Spaziergängen durch die weiten Felder, die sich an klaren Herbstnachmittagen bis zum Horizont zu dehnen schienen.

Trotzdem: es war ein Fehler gewesen, aufs Land zu ziehen.
Angefangen hat alles damit, dass ich mit meinem Handy keinen Empfang bekam. Entweder zeigte sich auf dem Display überhaupt kein Balken für die Empfangsstärke oder aber der Empfang brach unvermittelt während des Gespräches ab. Mit der Zeit hatte ich jene Stellen in meiner Wohnung ausfindig gemacht, in denen es zumindest einen schwachen Empfang gab. Leider befanden sich die Stellen jedoch an eher unbequemen Orten in der Wohnung: in der hinteren Ecke des Schlafzimmers etwa und auch dort nur in Bodenhöhe, was bedeutete, im Liegen zu telefonieren. Oder ich musste mich auf die Toilette begeben, wo ich mich dann zuweilen auf dem Klodeckel sitzend wiederfand, den Netzempfangsbalken während des Gesprächs immer scharf im Blick und blitzschnell die Position wechselnd, sobald der Balken zu verschwinden drohte.

Besonders unangenehm war es dann, wenn ich den Kundenservice der Telekom anrufen wollte. Wenn ich, was ausnahmsweise vorkam, tatsächlich einmal einen Mitarbeiter des Kundencenters in der Leitung hatte, schrumpfte der Balken auf meinem Handydisplay langsam aber unerbittlich zusammen, bis die Verbindung endgültig zusammenbrach. Dabei hatte ich mich extra flach auf den Boden gelegt, dicht an den Kleiderschrank gedrückt und nur langsam und vorsichtig geatmet, damit ich die Staubflocken, die ich jetzt unter meinem Bett entdeckte, nicht aufwirbelte und wohlmöglich beim Einatmen noch ersticken würde.
Meinen Festnetzanschluss konnte ich ja bereits seit Wochen nicht mehr benutzen, weil mir die Telekom nach dem Anschluss eines kabellosen Internetanschlusses, meinen Telefonanschluss gesperrt hatte. Die Gründe dafür lagen für mich lange Zeit im Dunkeln. Mit dem Anschluss der kabellosen Internetverbindung hatte ich eine Flatrate gewählt. D.h. telefonieren und surfen rund um die Uhr zu einem festen und durchaus attraktiven Preis. Ich war begeistert. Nicht so sehr wegen der Flatrate, sondern wegen der Möglichkeit nun endlich ohne Kabelsalat ins Internet gehen zu können. Das Vergnügen mich mit meinem Labtop frei in der Wohnung bewegen zu können, vom Sofa aus Emails zu verschicken oder in der Badewanne mit Freunden zu chatten, auf dem Balkon zu sitzen und mir die Webcams von Bangkok oder Dubai anzuschauen, hatte mir die Telekom in Aussicht gestellt und - es funktionierte. Wenn mich hier draußen schon niemand besuchen kam, stand mir nun wenigstens das Internet als Tor zur Welt offen.

Meine Begeisterung bekam einen ersten Dämpfer, als die Rechnung der Telekom über 192,41 Euro im Briefkasten lag. Dass der Betrag wegen des Neuanschlusses höher ausfallen würde als gewöhnlich, hatte ich erwartet. Aber, bitteschön, nicht so hoch, nicht knapp 200 Euro! Die Summe setzte sich zum größten Teil, das konnte ich dem mehrseitigen Rechnungsausdruck entnehmen, aus den 6277 Minuten zusammen, die ich in den vergangenen vier Wochen im Internet zugebracht haben sollte. Ich konnte das nicht prüfen. Und warum sollte ich auch. Ich hatte doch eine Flatrate. Da sollte es doch egal sein, ob ich sechs oder 6000 Minuten online war. Jedenfalls stimmte die Rechnung nicht.

Und so kam also der Tag, an dem ich das erste Mal telefonischen Kontakt mit dem Service-Personal der Deutschen Telekom aufnahm - ahnungslos ob der Dinge, die mich in den kommenden Wochen und Monaten erwarten sollten und darum noch voller Optimismus und Zuversicht. p.s. textwerk-online.de
textwerk-online

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