Das Google-Imperium â Kultmarke und Datenkrake
November 14, 2008 von admin
Wenn ein Unternehmen in Popsongs besungen wird, Kinder nach ihm benannt werden und sein Name aus dem Alltagssprachgebrauch nicht mehr wegzudenken ist, dann kann man mit gutem Recht von einem wirklich populÀren Unternehmen sprechen.
Google hat sich in nur zehn Jahren zur wertvollsten Marke der Welt entwickelt. Noch vor Coca-Cola, Microsoft, Nokia oder Apple hat Google das Verhalten von Milliarden Menschen auf der Welt verĂ€ndert. Zwei Drittel aller Suchanfragen weltweit laufen ĂŒber die Rechner des Kalifornischen Megaunternehmens, das zu den profitabelsten der Welt gehört. Die Geschichte von Google ist die Geschichte von Superlativen. 16 Milliarden Dollar setzte Google im vergangenen Jahr um. Im ersten Viertel dieses Jahres setzte der Popstar der Internetindustrie in jeder Minute 2 Millionen Dollar um. Google erfasst mit seinem Netzwerk von Rechnern mehr als eine Milliarden Bilder und rund acht Milliarden Netzseiten. Vielleicht aber sind bereits zehn oder 25 Milliarden Seiten indexiert. DarĂŒber kann nur spekuliert werden. Denn Google hĂ€lt die Zahl der Internetseiten, die es kopiert hat ebenso geheim, wie das Bewertungsverfahren, mittels dessen die Suchergebnisse generiert werden. Dahinter steckt ein einzigartiger Page-Rank-Algorithmus, eine Formel, die fĂŒr die Suchergebnisse bei Google verantwortlich ist.
Suchen und gefunden werden
Doch Google ist mehr als die erfolgreichste Suchmaschine der Welt. Mehr als 60 Onlineprodukte bietet das Unternehmen mittlerweile an: neben zahlreichen spezialisierten Suchdiensten wie der Bildersuche Google Image Search, Google Finance fĂŒr Börseninformationen, Google Scholar fĂŒr akademische Literatur und Forschungsergebnisse und der BĂŒchersuchdienst Book Search, sammelt Google News Nachrichten aus aller Welt und Google Desktop ist ein Programm, das hilft Dateien auf dem eigenen Rechner wiederzufinden. Besondere PopularitĂ€t hat Google Maps gewonnen; dort lassen sich nicht nur einfach Routen planen; die Karten zeigen auch Kinos, Restaurants und SehenswĂŒrdigkeiten am Zielort an. Das wohl faszinierendste Programm, das Google anbietet, ist Google Earth. Ein Geobrowser, der in 25 Sprachen abrufbar ist und weltweit von ĂŒber 350 Millionen Menschen genutzt wird. Mit Google Earth kann man einen virtuellen Flug ĂŒber die Alpengletscher machen, die Chinesische Mauer aus der Vogelperspektive betrachten, genauso wie das Nildelta oder die Townships von Soweto. Mit Google Earth bleibt nichts unentdeckt â fast nichts. Denn natĂŒrlich gibt es LĂ€nder, die es nicht so gerne sehen, wenn man bestimmte Gebiete ihres Territoriums aller Welt im Internet zugĂ€nglich macht. So ist auch Google Maps Street View bislang nur fĂŒr einige StĂ€dte in den USA verfĂŒgbar. Das Programm erlaubt eine interaktive Fahrt durch die StraĂen New Yorks oder Las Vegasâ, San Franciscos oder Miamis. Dabei sieht der Betrachter StraĂenschilder, Bushaltestellen, HĂ€userzeilen, VorgĂ€rten und Passanten, ganz so, als sei er selbst vor Ort. Dass StĂ€dte in Europa nicht von Google Maps Street View erfasst werden, hat seinen einfachen Grund in den strengen Datenschutzbestimmungen hierzulande.
Heikelstes Thema der Menschheitsgeschichte
Aber nicht erst mit den Bildern von StraĂen und PlĂ€tzen und den weltweiten Satellitenaufnahmen sammelt Google Daten. Die Anwendungen, die Google bereitstellt, sind zwar kostenlos, ganz umsonst gibt es sie aber nicht: âDer Preis, den wir fĂŒr die Nutzung bezahlen, sind die Daten, die von jedem Nutzer gesammelt werdenâ, zitiert der Journalist und Autor des Buches âDas Google-Imperiumâ Lars Reppesgaard den Suchmaschinenforscher Sander-Beuermann.
âGoogle kann nicht nur alles, was im Internet zu finden ist, aufspĂŒren; auch nichts von dem, was auf den Google-Rechnern geschieht, wird vergessen.â Lars Reppesgaard erzĂ€hlt in seinem Buch nicht nur die atemberaubende Geschichte des erfolgreichsten Unternehmens der Welt, dessen Aufstieg streckenweise romanhafte ZĂŒge hat, er erzĂ€hlt nicht nur von der Faszination eines Unternehmens, dessen Technologie vielen ebenso futuristisch anmutet, wie die Unternehmensphilosophie von Google selbst. âDas Google-Imperiumâ beschreibt ebenso detail- und kenntnisreich auch die dunklen Seiten des Internetgiganten. Google hat â und das ist keine pathetische PlattitĂŒde â unsere Welt verĂ€ndert. Die Risiken und möglichen Bedrohungen, die von einer bislang unvorstellbaren Datenmenge- und qualitĂ€t ausgehen, ist heute kaum abzuschĂ€tzen. âViele Google-Nutzerâ, so Reppesgaard, âahnen ĂŒberhaupt nicht, dass Google so viele Informationen ĂŒber sie sammelt. Wer erfĂ€hrt, wie intensiv der Suchriese jeden beobachtet, der in die Reichweite der Google-Anwendungen kommt, dem mag es angesichts der ungeheuren Wissensmengen, die auf den Rechnern angehĂ€uft werden schaudern. Was wie im Detail gespeichert wird, weiĂ auĂerhalb von Google niemand.â
Allein die Möglichkeit, dass der immense Datenpool von Google selbst oder von irgendeinem anderen missbraucht werden könnte, alarmiert die Fachleute. Wegen dieses Gefahrenpotentials hĂ€lt der amerikanische Computerwissenschaftler Edward Felten von der Princeton University den Google-Datenschatz fĂŒr âdas vielleicht heikelste Thema rund um die PrivatsphĂ€re in der gesamten Menschheitsgeschichte.â
âDas Google-Imperiumâ ist ein von der ersten bis zur letzten Seite spannendes und hoch informatives Buch. Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Wer sie richtig und sicher nutzen will, fĂŒr den ist Reepesgaards Buch PflichtlektĂŒre. â Paul Schilling
Lars Reppesgaard: Das Google-Imperium, Murmann-Verlag, Hamburg 2008, 280 Seiten, âŹÂ 19,90. ISBN: 978-3867740463























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