Jung, adelig und unerfahren - Eine Chance für zu Guttenberg?
Februar 9, 2009 von admin
„KT“ das ist nicht nur die Abkürzung für Krankentagegeld, „KT“ nennen Parteifreunde auch den designierten Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Das erste Mal hörte man von dem jungen Oberfranken im November vergangenen Jahres. Nach dem Wahldebakel der CSU und dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit im Landtag, beerbte zu Guttenberg die glücklose Generalsekretärin der CSU Christine Hadertauer und versprach in seinem neuen Amt eine „erklärende Politik“ zu betreiben. Er wolle deutlich machen, dass die Politik über das Poltern hinausgehe. Das ist gerade einmal 100 Tage her. Nun tritt er die Nachfolge Michael Glos’ an, der im Wirtschaftsministerium nicht gerade als Gestalter agiert hat, bestenfalls als Verwalter.
Gute Kontakte in die USA
Wer ist dieser Karl-Theodor zu Guttenberg, und was befähigt ihn zum Amt des Wirtschaftsministers? Als Wirtschaftsexperte zumindest ist zu Guttenberg bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Der studierte Jurist und Politikwissenschaftler hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Experte für Außenpolitik profiliert. Hier auch liegt seine große Leidenschaft. Er hat sehr gute Kontakte in die USA, ist Vorsitzender der Deutsch-Britischen Parlamentariergruppe und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen – und im Verteidigungsausschuss. Zu Guttenberg ist ein vehementer Verfechter des Afghanistan-Einsatzes und lehnt einen EU-Beitritt der Türkei ab. Für sein neues Amt als Bundeswirtschaftsminister sind diese Positionen jedoch kaum von Belang.
Bodenhaftung als Verwalter
Überhaupt scheinen die großen Zeiten des Ministeriums vorbei zu sein. Galt das Wirtschaftsministerium lange als Schlüsselressort, in dem Minister wie Ludwig Erhard, Karl Schiller und Otto Graf Lambsdorff als Verteidiger der Marktwirtschaft Politik gestalteten, ist spätestens seit den Zeiten von Werner Müller und Wolfgang Clement die Abhängigkeit vom Finanzministerium gewachsen und der Gestaltungsspielraum geschrumpft. Edmund Stoiber wusste, warum er Michael Glos nach Berlin schickte und nicht selber das Amt des Wirtschaftsministers übernahm. Auch er wäre mehr Verwalter als Gestalter gewesen.
Nach seiner Ankündigung für Steuersenkungen einzutreten und die soziale Marktwirtschaft zu verteidigen, räumte er zugleich ein, dass er sich der „Größe der Herausforderung“, die das Amt des Wirtschaftsministers mit sich bringe, bewusst sei. Er werde mit „Kraft, Mut und der notwendigen Bodenhaftung“ die anstehenden Aufgaben in Angriff nehmen.
Die Homestory des KT
Akzente sind das noch nicht. Und auch ein klares Programm klingt anders. Immerhin gilt zu Guttenberg als ausgesprochen fleißig. Auch sein Politik- und Arbeitsstil unterscheiden sich von denen seines Vorgängers. In der bayerischen Staatskanzlei überraschte „KT“ die Mitarbeiter mit seinem zugänglichen Stil. Er erscheint auch schon mal überraschend im Büro und sucht ein kurzes Gespräch. Er gilt durchaus als jemand der zuhören kann. Mit zu Guttenberg werden in jedem Fall ein neuer Stil und eine neue Sprache ins Wirtschaftsministerium einziehen.
Karl-Theodor zu Guttenberg entstammt einem alten Adelsgeschlecht. Als Liebhaber antiker Literatur schätzt er den gewählten Ausdruck und schreckt, anders als sein Vorgänger im Amt, auch nicht vor Relativsätzen zurück. Sein Urgroßonkel wurde nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat auf Hitler hingerichtet. Zu Guttenbergs Vater war der Dirigent Enoch zu Guttenberg, sein gleichnamiger Großvater saß in den 60er Jahren als Staatssekretär im Bundeskanzleramt und gehörte zu den Architekten der ersten Großen Koalition.
Mit seinem vollständigen Namen - Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg – hat er in jedem Fall bessere Chancen eine Homestory in der Regenbogenpresse zu bekommen, als alle seine Vorgänger. Ob er als jüngster Wirtschaftsminister aber mit einer Politik, die Wege aus der Krise eröffnet, Schlagzeilen machen wird, bleibt abzuwarten. – Paul Schilling
Linktipp: Regierung mit Glos im Hals. Von Guttenberg wird Wirtschaftsminister






















[...] “Hit Radio FFH” oder die “Freie Honnefer” haben den “Wilhelm” unterdessen rückstandslos [...]
sehr guter punkt und unheimlich peinlich für journalisten und wikipedia gleichermaßen… ich rieche die medien- und internetschelte schon um die ecke kommen.
aber war früher wirklich alles besser?!
ich bin der sache mal nachgegangen