Lesezeiten: Lebensmittelvernichtung zur Gewinnmaximierung
Juli 17, 2009 von admin
Was würde passieren, wenn man die Nahrungsmittel, die täglich in Europa und in den USA weggeworfen werden, an die Hungernden in aller Welt verteilen würde? Mehr als siebenmal wäre der Nahrungsbedarf gedeckt. Dass Lebensmittel weggeworfen werden ist erwünscht. Es sichert das Überleben und den Gewinn vieler Konzerne.
Der britische Autor Tristram Stuart ist durch die halbe Welt gereist, um zu erforschen, wie viel Nahrungsmittel weggeworfen werden. Die erschreckenden Ergebnisse seiner Forschungen stellt er nun in seinem neuesten Buch „Waste: Uncovering the Food Scandal“ vor.
Produziert zur Vernichtung
Allein die Lebensmittel, die in Großbritannien weggeworfen werden, könnten, so Stuart rund 113 Millionen Menschen auf der Welt satt machen. Zwischen 40 und 60 Prozent aller gefangenen Fische in europäischen Gewässern werden ins Meer zurückgeworfen. Sie sind bereits tot. Allein der Marktwert der drei wichtigsten Speisefische Großbritanniens, die weggeworfen werden, beträgt rund 80 Millionen Euro. EU und Industrie hingegen sprechen von einer Fischereikrise.
Jährlich landen 484 Millionen Jogurts ungeöffnet(!) im Müll – allein in Großbritannien. Auch 30 Prozent aller in Großbritannien verkauften Kartoffeln werden weggeworfen. Bauern und Lebensmittelproduzenten werfen jährlich rund eine Million Tonnen Kartoffeln in den Müll.
Foto: Paul Schilling schreibt für Rhein-Onliner
Stuart kritisiert in seinem Buch vor allem die Supermarktketten. Sie geben über die Nahrungsmittel, die sie wegwerfen, kaum oder nur sehr ungenügend Auskunft. Große britische Ketten wie Sainsbury oder Asda kommen jährlich auf 60.000 bzw. 75.000 Tonnen Lebensmittel, die auf Deponien landen. Noch schlimmer: Die Hälfte der Früchte und Gemüse, die für die Supermärkte geerntet werden, landen nie im Laden. Das geht aus einer Untersuchung der Marktforschungsgruppe Biffa hervor. Die Gründe dafür sind falsche Größen oder verändertes Aussehen.
Perversionen des Systems
Für Klaus Werner-Lobo, den der „Spiegel“ zu einem der „Stars der alternativen Globalisierung“ zählt, und der zuletzt mit seinem Buch „Uns gehört die Welt! - Macht und Machenschaften der Multis“ eine kritische und faktenreiche Materialsammlung vorgelegt hat, ist das Problem „nicht die Achtlosigkeit der Konsumenten“. Das das Wirtschaftssystem darauf angelegt sei, viel zu viel zu produzieren und kurze Ablaufzeiten zu haben, sei das Wegwerfen von Lebensmitteln ausdrücklich erwünscht. Das System entspreche nicht den realen Bedürfnissen. Das zeige sich besonders deutlich auch an der Tatsache, dass Lebensmittelabfälle in Müllcontainern vergiftet würden, damit sie niemand mehr konsumieren könne.
“Die Erde könnte zwölf Mrd. Menschen sattmachen und dennoch sterben tagtäglich 24.000 Kinder an Hunger.” Der tägliche Massenmord diene dem Profit.” Jedes weggeworfene Joghurt-Paket bringt dem Hersteller Profit, denn es wurde verkauft.”
In den letzten Jahren sind vermehrt sogenannte Tafeln gegründet worden, die Essen an Bedürftige verteilen. Eine wachsende Zahl von Restaurants stellt für solche Zwecke ungenutzte Lebensmittel zur Verfügung. Auffällig: Supermärkte beteiligen sich kaum an solchen Aktionen. Sie setzten verstärkt auf Vernichtung zur Gewinnmaximierung. - Paul Schilling
Linktipps:
Gratisobst an Schulen
Ein Auszug aus Tristrams Buch „Waste: Uncovering the Food Scandal“























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