Mach mit!
Top

Lesezeichen: Don Silvio – “Ich bin der Jesus Christus der Politik!”

April 12, 2009 von admin 

Silvio BerlusconiWie schön, dass es auch in der Politik noch Heilige gibt. Zumindest einer ist ausgezogen, die Welt zu erleuchten und mit seinen Wundern zu beglücken. Die Geschichte von Don Silvio, dem Mann der größer ist als Napoleon, (nämlich genau vier Zentimeter), ist ebenso märchenhaft wie atemberaubend.

Foto: Silvio Berlusconi redete im Jahre 2006 sogar vor dem amerikanischen Kongress, (c) White House

Don Silvio, der von sich selber sagt, er sei der “Jesus Christus der Politik”, er wurde auf die Erde geschickt, um Wunder zu vollbringen. Nicht irgendwohin auf die Erde, sondern nach Italien. Dort wirkt er nun bereits seit 1994 mit Unterbrechungen als Ministerpräsident. Ganz klar, dass er dadurch, wie er selber sagt “ein bisschen gleicher als die anderen ist” – vor dem Gesetz. Wenn 50 Prozent der Italiener ihm “die Verantwortung übertrugen, ihr Land zu regieren”, dann ist es nur folgerichtig, ihn auch vor dem Gesetz ein bisschen gleicher als andere zu behandeln – besonders bei den unliebsamen Korruptionsprozessen, die gegen Don Silvio immer wieder angestrengt werden.

Errungenschaften moderner Schönheitspflege

Paul SchillingFoto: Paul Schilling schreibt für die FreieHONNEFER

Und wahrhaftig, Don Silvio ist unvergleichlich. Sowohl was seinen Charme - “Was denken Sie, wie viele Frauen auf dieser Welt mit mir ins Bett gehen wollten, und ich weiß leider nichts davon?” -, sein Vermögen - auf der Liste der 100 reichsten Männer der Welt belegt Berlusconi Platz 25. Geschätztes Vermögen: 12 Milliarden Dollar - und seine Machtfülle -  Berlusconi gehören die drei größten Fernsehstationen Italiens und als Regierungschef hat er direkten Zugriff auf die Programme des Staatsfernsehens RAI -, als auch seine sprachlichen Offenbarungen  - “Diese Richter sind doppelt verrückt! Zuallererst, weil sie politisch verrückt sind, und zweitens, weil sie verrückt sind.” - anbetrifft. Und damit Don Silvios Einzigartigkeit und Strahlkraft ihre Wirkung nicht verfehlen, bedient sich der Auserwählte ausgiebig und hingebungsvoll der Errungenschaften moderner Schönheitspflege: Haartransplantation, Lifting und Sonnenstudio. Ein Jungbrunnen für den 72jährigen Erlöser: “Mein Arzt hat mir gesagt, ich habe die Physis eines Vierzigjährigen.”

Strumpfhosen für die “bella figura”

Video: “Berlusconi Snack”

Keine Frage, wer ein echter “Jesus der Politik” sein will, der muss sich auch medienwirksam in Szene setzen. Und wer könnte das besser als Don Silvio. So hat er denn auch die in seinem Besitz befindlichen Fernsehsender angewiesen, bei Interviews mit ihm hauchdünne Strumpfhosen über die Kameralinsen zu streifen, um seine Falten zu kaschieren und ihn also auch rein optisch ins rechte Licht zu rücken. “Bella figura”, das ist für Don Silvio absolute Pflicht: “Ich versuche, für meine Mitmenschen angenehm auszusehen. Ich will in den Spiegel sehen und einen angenehmen Anblick bieten können.”

Wer allerdings glaubt, dass Don Silvio sich mit Äußerlichkeiten begnügt, den überrascht der Meister des spontanen Wortes immer wieder mit seinen zitierfähigen Geistesblitzen zu Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Kostproben gefällig? Den in Italien immer noch verehrten Diktator Benito Mussolini nahm er 2005 gegen “Verleumdungen” in Schutz mit den Worten: “Mussolini hat nie jemanden getötet. Mussolini schickte Menschen in Lager in den Urlaub.” Und auch zum Personal der aktuellen Politik hat Don Silvio einen entwaffnenden Spruch parat. Über den frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama sagte er: “Er ist jung, ansehnlich und sogar gebräunt.” Als sich die Öffentlichkeit empörte, legte Don Silvio wenig später nach: “Wir wären doch alle gerne so braun gebrannt wie Naomi Campbell und Barack Obama.”

Der heilige Silvio

Besonders zahlreich sind seine Angriffe auf die Justiz. Verständlich, denn wer wie Don Silvio als eine Art Tango-corrupti-Strippenzieher bereits mehrmals wegen Bilanzfälschung, Bestechung und Korruptionsvorwürfen vor Gericht stand und wegen Meineids verurteilt wurde, dem muss die Justiz als überaus lästiges Übel erscheinen. Oder, wie Don Silvio selber sagt: “Die Justiz ist ein Krebsgeschwür des Rechtsstaates, das wir ausrotten müssen.”

Auch in Wirtschafts- und Finanzfragen hat Don Silvio den Durchblick und beweist Sendungsbewusstsein. Die herrliche Panorama-Sicht von seiner Villa aus besteche durch den Blick auf viele Yachten. Für den “Jesus Christus der Politik” ein klarer Beweis dafür, dass nicht einmal die Wirtschaft in Italien schlecht laufe. Und die unter seiner Führung geglückte Einigung über die Reform der italienischen Zentralbank kommentierte er betont bescheiden mit den Worten: “Der Heilige Silvio hat ein neues Wunder vollbracht.”

“Durch mein politisches Engagement hat sich mein Gehirn so stark vergrößert, dass kein Platz mehr für meine Haare blieb”, sagt der Mann, der sich doch nichts sehnlicher wünscht, als endlich heilig gesprochen zu werden. Aber auch sein unermüdlicher Einsatz im Bermuda-Dreieck von Mafia, Medien und Moneten wird das nicht zustande bringen. Und wer wüsste das besser als Don Silvio selbst: “In Italien muss man heutzutage kommunistisch oder schwul sein, wenn man heilig gesprochen werden will.” – Paul Schilling

Anzeige

Lesetipp: Udo Gümpel, Ferruccio Pinotti: Berlusconi Zampano. Die Karriere eines genialen Trickspielers. Riemann Verlag, 2006, 598 Seiten, 19,95 Euro

Als Lesezeichen anlegen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Linkarchiv
  • LinkedIn
  • Tausendreporter
  • Wikio
  • YahooMyWeb
  • Bloglines
  • Facebook
  • Linkarena
  • Technorati
  • Webbrille
  • Wikio DE

Kommentare

Ein Kommentar zu “Lesezeichen: Don Silvio – “Ich bin der Jesus Christus der Politik!””

  1. Erich Kugler am Mai 1st, 2009 16:32

    Dass Marco Travaglio jetzt den Preis für Pressefreiheit bekommen hat, http://www.freiehonnefer.de/normaler-journalist-in-einem-nicht-mehr-normalen-land.htm, ist ein wichtiges Signal. Journalisten vom Schlage eines Tavaglio, zäh, hartnäckig und unerschrocken, sie werden immer seltener. Nicht nur in Italien gerät die vierte Gewalt im Staate mehr und mehr unter die Räder. Kumpanei, Käuflichkeit und ein allzu “flexibles” Verhältnis zum Ethos des Journalismus und damit zur Wahrheit greifen um sich. Journalisten müssen unbequem sein! Gerade heute. Die freie Presse ist für eine Demokratie unabdingbar, und sie muss deshalb gefördert werden. Schon die amerikanischen Verfassungsväter definierten die Einrichtung der freien Presse als “erste Pflicht des Staates”. Wo Journalismus nur die Eitelkeit der Mächtigen bedient, hat er sich bereits verkauft.





Gerne können Sie hier Ihren Kommentar hinterlassen...
und wenn Sie zusätzlich ein kleines Bild von sich zeigen möchten, nutzen Sie dafür einen Gravatar.
HINWEIS: Jeder neue Kommentar wird vor der Freigabe durch einen Moderator geprüft! Bitte geben Sie Ihren Namen und eine gültige Mailadresse an.

Bottom