Lesezeichen: Warum wählen?
Oktober 10, 2008 von admin
… oder “Das größte Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem durchschnittlichen Wähler”.
Wenn es stimmt, dass die Demokratie die Notwendigkeit ist, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen, dann bietet der 19. Oktober die seltene Gelegenheit dies einmal nicht zu tun. Am kommenden Sonntag entscheiden rund 19.000 Bürger in Bad Honnef darüber, wer für die kommenden vier Jahre die Verwaltung der Stadt führen soll. Eine Gelegenheit Position zu beziehen, Einfluss zu nehmen und eine Entscheidung zu treffen. Schließlich wird am Ende über den entschieden, der sich nicht selber entscheidet. - Was aber soll man mit einer einzigen Stimme bewegen? Was kann man mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel verändern? Viele meinen: Nichts! Viele, das waren bei der letzten Stichwahl um das Bürgermeisteramt genau 9.535 Bürgerinnen und Bürger, fast die Hälfte aller Wahlberechtigten in Bad Honnef.
Mit einer Beteiligung von 9.659 Wählern bei der Stichwahl zum Bürgermeisteramt im Jahre 2004, wurde die Kandidatin der SPD, Wally Feiden, damals mit 52,9% der Stimmen gewählt. Wenn man die Zahl der zur Bürgermeisterwahl berechtigten Bürger zugrunde legt - das waren damals 19.194 - ergibt sich, dass gerade einmal gut ein Viertel davon, nämlich 5073 Menschen für Frau Feiden gestimmt haben. Das sind ernüchternde 26,6 Prozent.
Die Zahlen zeigen vor allem eines: jede nicht abgegebene Stimme gewichtet jede abgegebene Stimme nur umso stärker. So ist das in der Demokratie. Damals ging es in der Stichwahl um nur zwei Kandidaten. Bei der Wahl am 19. Oktober stellen sich immerhin drei Kandidaten dem Wählervotum. - Nehmen wir an, die Wahlbeteiligung wäre am kommenden Sonntag ähnlich schwach, wie vor vier Jahren, dann könnte der nächste Bürgermeister oder die nächste Bürgermeisterin mit einem Anteil von weniger als 3300 Stimmen an die Spitze der Verwaltung kommen. Also mit knapp 17%. Das ist nicht eben viel. Genau genommen ist es erbärmlich wenig. An der politischen Legitimation ändert das aber nichts.
Wir wissen natürlich nicht, wie es sich anfühlt, wenn man gerade einmal ein Viertel der Wählerstimmen oder weniger auf sich vereinen kann. Im politischen Geschäft sind das ohnehin überflüssige Sentimentalitäten. Vermutlich gehen Politiker mit solchen Ergebnissen gelassener um, als die Wähler. Sieg ist schließlich Sieg. Und würden sich nur drei Menschen an der Wahl beteiligen, und würden diese drei die gleiche Wahl treffen, dann wäre der Sieger mit 100%er Mehrheit, also mit allen abgegebenen Stimmen gewählt und legitimiert. So ist das manchmal in der Demokratie.
Wenn nur jeder Zweite zur Wahl geht, dann zählt dessen Stimme gewissermaßen doppelt, wenn nur jeder Vierte zur Wahl geht, bekommt dessen Stimme noch mehr Gewicht und wer seine Stimme nicht abgibt, wer also nicht wählen geht, weiß doch nicht, wem er seine Stimme damit geschenkt hat. Denn er hat sie verschenkt, ohne Nutzen, ohne Sinn - und ohne Verstand. Wer sich nicht entscheidet, über den wird entschieden. Und wer nicht wählt, der braucht sich nachher nicht zu wundern. In den kommenden vier Jahren müssen Sie sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute beugen. Am Sonntag können Sie darüber entscheiden, welchen Ansichten Sie sich leichter und welchen sie sich schwerer beugen können. In der Demokratie ist das Volk der Souverän; und am Sonntag jeder einzelne der 19.626 Wahlberechtigten in Bad Honnef. Das größte Argument für die Demokratie ist die freie Wahl. Sie haben nichts zu verschenken. - Paul Schilling
Linktipp: Bürgermeisterwahlen 2008























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