Lesezeiten: “Kopf schlägt Kapital” - Neue Gründer braucht das Land, Teil 1
Februar 3, 2009 von admin
Trotz Wirtschaftskrise und Banken-Kollaps: Günter Faltin, Professor an der Universität Berlin und Autor des Buches “Kopf schlägt Kapital”, ist überzeugt: “Noch nie in der Geschichte waren die Voraussetzungen so günstig, war die Gründung eines Unternehmens so zugänglich für Normalmenschen wie heute. Eigenes unternehmerisches Handeln wird zur Perspektive für eine ganze Generation werden!”
“Heute sind Unternehmensgründungen möglich, die nicht von Kapital und Technologie, sondern von der Kreativität und den Ideen ihrer Gründer geprägt sind.”, so Faltin weiter. Leider gingen schöpferische Kraft und Leidenschaft mit Betriebswirtschaftslehre nur selten Hand in Hand. Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist der Entrepreneur dem Künstler näher als dem Manager!
Entrepreneurship von Business Administration unterscheiden
Im angelsächsischen Sprachraum unterscheidet man zwischen “entrepreneurship” und “business administration”. Während der letztere Begriff die Bewältigung der Unternehmensaufgaben unter den mehr organisatorischen und verwaltenden Aspekten beschreibt, lenkt der Begriff “Entrepreneurship” auf die eher kreativen, innovativen Teile einer Neugründung. Diese sinnvolle Unterscheidung findet sich im Deutschen nicht. Günter Faltin sieht die Gründe für das Scheitern vieler Start-ups in den Jahren 1995-2000 darin, dass die jungen Unternehmen zwar über eine exzellente Kapitalausstattung und talentierte Managementtalente verfügten. “Es fehlten aber durchdachte und ausgereifte unternehmerische Konzepte.” Ein Entrepreneurial Design, dem einem Gespür für gesellschaftliche Veränderung und eine hohe Sensibilität für Marktentwicklung zugrunde liegt, sei häufig nicht erkennbar gewesen.
Der Überforderungsfalle entgehen
Was sind heute wichtige Voraussetzungen, um ein Unternehmen zu gründen? In der deutschen Gründerberatung gibt es dazu eine einhellige Antwort: Zuerst müsse man sich gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse aneignen. Ein vertieftes Wissen in den Bereichen Management, Marketing und Finanzierung wird eine entscheidende Bedeutung beigemessen. Der Gründer wird zum Alleskönner.
Faltin nennt diesen Unternehmer-Typus nun einen “Extremsportler mit masochistischem Einschlag”! Man könne den ‘Idealtypus’ zwar beschreiben, ihn in der realen Welt aber nicht finden.
“Wäre ich auf eine Business School gegangen,
hätte ich mein Unternehmen nie gegründet”
Anita Roddick, Body-Shop-Gründerin
Man müsse sich von der Vorstellung lösen, dass eine einzelne Person alle diese Anforderungen erfüllen könne, so Faltin weiter. Moderne Gesellschaften seien heute arbeitsteilig aufgestellt. Der wirklich erfolgreiche Entrepreneur arbeite heute schwerpunktmäßig an der stetigen Entwicklung seines eigenen, innovativen Konzepts.
Mitarbeiter müssten für das eigene Konzept begeistert werden, neue Trends sollten frühzeitig erkannt werden. Ein betriebswirtschaftliches Verständnis der Zusammenhänge bleibe weiter wichtig, jedoch könne man diese Kompetenzen und damit verbundene Aufgaben heute auch an fähige Partner (Business-Administratoren) delegieren. Wenig hilfreich sei es, “in der Qualifizierung von Gründern den Nachdruck fast ausschließlich auf die Aneignung betriebswirtschaftlichen Wissens zu legen. Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Entrepreneurship von der Betriebswirtschaftslehre her gedacht werden könne. Es ist dies ein viel zu enges Paradigma”. - Christian Preuß
Lesetipp: “Kopf schlägt Kapital” - Neue Gründer braucht das Land, Teil 2
Kopf schlägt Kapital - Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein, von Günter Faltin, Verlag HANSER, ISBN-10: 3446415645, EUR 19,90
Über den Autor:
Günter Faltin ist Professor an der Freien Universität Berlin und hat dort den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut. Durch seine praktischen Erfahrungen in der Gründung von Unternehmen kann er den Bogen von der Theorie zur selbst gelebten Praxis schlagen. Mit der Idee der “Teekampagne” ist er seit 1995 Marktführer im Teeversandhandel in Deutschland. Faltin ist als Business Angel und Coach verschiedener Start-Ups tätig, errichtete 2001 die “Stiftung Entrepreneurship” und ist Initiator und Sponsor des Wiederaufforstungsprojekts des World Wide Fund for Nature (WWF) für Darjeeling/Indien.























Wer am Thema Entrepreneurship interessiert ist, der findet auf Prof. Faltins Internetseite http://www.entrepreneurship.de weitere kostenlose Informationen und Text.