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Lesezeiten: Weihnachts-Lesetipps der Redaktion

Dezember 15, 2008 von admin 

BELLENFür all diejenigen, die das diesjährige Weihnachtsfest ruhig und entspannt verbringen möchten, haben wir ein paar Literaturtipps zusammengetragen; zum schenken und zum selber lesen.

Für Visionäre:

Wir stehen kurz vor einem gesellschaftlichen Quantensprung. Denn das Internet ist mehr als nur Web 2.0. In seinem visionären Buch „Die ersten Tage der Zukunft“ beschreibt Michael Maier eine neue Art der Gleichzeitigkeit, die Zeit und Raum überwindet; einen Prozess, bei dem die Kreativität jedes einzelnen nur so Die ersten Tage der Zukunftviel zählt wie das, was er im blitzschnellen Austausch mit anderen entwickelt. Kurz: Ein kollektives Superhirn , das unsere Art zu leben und zu kommunizieren revolutioniert. Mit dem Internet stehen wir im Begriff uns von der klassischen 2-Weg-Kommunikation und auch von den Regeln der Schriftkultur zu verabschieden und eine Art kollektives Superhirn auszubilden. Ein Paradigmenwechsel mit radikalen Konsequenzen vor allem für die alten Eliten, die mit der neuen Schnelligkeit und Transparenz der Kommunikation nicht Schritt halten können und in ihrem Festhalten an überkommenen Produktionsweisen und Prinzipien der Urheberschaft scheitern werden.

Michael Maier: Die ersten Tage der Zukunft. Wie wir mit dem Internet unser Denken verändern und die Welt retten können. Pendo Verlag, 2008, 280 Seiten, ISBN:  13 978-3866121713, Euro 19,90

FĂĽr Preisbewusste:

Let's make MoneyWissen Sie, wo Ihr Geld gerade steckt? Ganz sicher nicht bei der Bank Ihres Vertrauens, denn die steckt unser Guthaben als Kredit in den Kreislauf des globalen Geldmarktes. Wer diesen Kredit erhält und wie er ihn zurückzahlt, tut dabei nichts zur Sache, Hauptsache, das Geld „arbeitet“ für uns. Doch Geld kann nicht arbeiten – das können nur Menschen, Tiere oder Maschinen. „Let’s make Money“ ist kein Ratgeber der Tipps für’s schnelle Geld gibt, sondern ein Buch, das sich jeder zulegen sollte, der erfahren möchte, wie der globale Finanzmarkt funktioniert. Knallhart recherchiert und in bester journalistischer Tradition geschrieben (der Autor ist Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung). Eine Pflichtlektüre, für jeden, der die Ursachen der aktuellen Finanzkrise verstehen will. Der gleichnamige Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer, der derzeit in den Kinos läuft, ist kein Weihnachtsmärchen.
Caspar Dohmen: Let’s make money. Was macht die Bank mit unserem Geld? Orange Press 2008, 256 Seiten, ISBN: 13 978-3936086416, Euro 20,00

FĂĽr Zeitreisende:

Bild-EnzyklopädieDieses Buch lädt zum Schmökern ein. Hier wird Geschichte nicht erzählt, hier wird sie gezeigt. Ein Prachtband, der neue Perspektiven eröffnet! Verständlich geschrieben und reich illustriert mit über 3000 Fotografien, Grafiken, Zeichnungen und Karten führt dieses grandiose Nachschlagewerk den Leser durch die ganze Geschichte der Menschheit - von ihren Anfängen bis heute. Unterteilt nach Epochen und ergänzt durch Ausblicke auf ihre historische Tragweite werden alle wichtigen historischen Entwicklungen dargestellt. Ein chronologischer Abriss gibt darüber hinaus einen umfassenden Überblick über die Geschichte von über 130 Ländern. Doppelseitige Porträts stellen bedeutende Persönlichkeiten vor und zahlreiche Querverweise verdeutlichen überregionale historische Zusammenhänge. Die große Bild Enzyklopädie erhebt nicht den Anspruch wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Ihr Verdienst aber ist es, auf anspruchsvolle, seriöse und zugleich unterhaltsame Weise an die großen Entwicklungslinien der Geschichte heranzuführen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Interesse für ein tiefgehendes Nachfragen und –forschen zu wecken. Gehen Sie auf Zeitreise!

Geschichte. Die große Bild-Enzyklopädie. Hrsg. Adam Hart-Davis, Verlag Dorling Kindersley, 2008, 612 Seiten, ISBN: 978-3831013074

Geheimtipp:

Die Hunde bellenVor elf Jahren gründete Peter Haag den Verlag Kein & Aber in Zürich. Mit mittlerweile 240 veröffentlichten Titeln zählt er zu den kleinen feinen Verlagen der Schweiz. Dank seines exzellenten Lektorats und eines anspruchsvollen, klugen und qualitativ hochwertigen Programms hat sich der Verlag einen guten Namen verschafft. Im Bereich Komische Kunst gilt Kein & Aber als Marktführer. Die Titel Kunst aufräumen und Noch mehr Kunst aufräumen des Schweizer Kabarettisten Ursus Wehrli haben sich zum Longseller entwickelt. Dass Kein & Aber aber auch anders kann, beweist die von Anuschka Roshani herausgegebene Gesamtausgabe der Werke des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote. Wer nicht gleich alle acht Bände verschlingen will (obwohl die liebevoll gemachte Ausgabe im Schmuckschuber wie geschaffen ist für lange kalte Winterabende und –nächte), der sollte zumindest den Band „Die Hunde bellen“ auf seinen Wunschzettel setzen. Er vereint sämtliche (!) Reportagen, Porträts und Reiseskizzen des Exzentrikers und begnadeten Menschenbeobachters. Capotes Gespür für Dialoge und sein streckenweise atemberaubender Stil machen diese Sammlung teilweise bisher unveröffentlichter Texte zu einem unvergesslichen Leseabenteuer. Eine Begegnung mit Marlon Brando wird zum Porträt eines Mannes auf einem Berg von Süßigkeiten und die Truman Capote: Werke in acht BändenReisereportage der Tournee der „Everyman Opera Incorporated“ mit Gershwins „Pory and Bess“ durch Russland im Jahr 1955 ist ein journalistisches Bravourstück, das durch Genauigkeit, Lakonie und den persönlichen Blick besticht. Marcus Ingendaay besorgte die wunderbare Übersetzung. „Die Hunde bellen“ ist ein Stück amerikanischer Zeitgeschichte. Vor allem aber ist es eine Sammlung faszinierender Reportagen und Porträts, wie sie wohl nur jemand schreiben konnte, der nie ganz dazugehörte. Capotes Distanz mischt sich auf einzigartige Weise mit seiner Faszination für die Trivialitäten, die Rätsel und die Abgründe des Menschen.

Truman Capote: Die Hunde bellen. Alle Reportagen, Porträts und Reiseskizzen, Kein & Aber, Zürich, 2007, 904 Seiten, ISBN:  978-3036951638
Truman Capote: Werke in acht Bänden. Zürcher Ausgabe. Kein & Aber, Zürich, 2008, 2954 Seiten, ISBN: 978-3036951652, EUR 129,-

FĂĽr Sprachforscher:

Du Jane, ich GoetheSpannender lässt sich die Geschichte der Sprache nicht schreiben. Ein Meisterwerk fröhlicher Wissenschaft, überraschend, faktenreich, brillant erzählt und kurzweilig. Guy Deutscher gelingt das Kunststück trockene Linguistik in geistreiche, anregende und mitreißende Unterhaltung zu verwandeln. Nach dieser Lektüre kann man Klassiker wie Frederick Bodmers „Sprachen der Welt“ getrost ins Antiquariat bringen.

Guy Deutscher: Du Jane, ich Goethe. Eine Geschichte der Sprache. C.H.Beck, MĂĽnchen 2008, 416 Seiten, Euro 24,90, ISBN: 978-3406578281


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