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Miniaturorgien in den Abgründen der Wirklichkeit - Im Gespräch mit Erwin Grosche

Januar 21, 2009 von admin 

Interview mit Erwin GroscheWas haben Staubsauger, Kaffeemaschine und Küchenschwamm gemeinsam? Sie haben eine Seele. - Nein, es geht hier nicht um irgendeinen blasphemischen Voodookult oder um religiöse Maschinenmessen. Es geht um die Poesie des Alltäglichen, die Würde und den Wahnsinn oder auch die wahnsinnige Würde des Gewöhnlichen. Es geht um Deutschlands ungewöhnlichsten und skurrilsten Kabarettisten. Es geht um Erwin Grosche.

Grosche kommt auf die Bühne und wundert sich. Er wundert sich und gibt dabei merkwürdige Laute von sich: gurgelnde Kaffemaschinen, pustende Händetrockner oder Ohhh-Miiii rufende Möwenschreie. Dann fängt er an zu singen.

Video: Die FreieHONNEFER Gespräch mit Erwin Grosche, 20.01.09

Dabei sitzt er an einem weißen Miniaturflügel in der Größe eines Umzugkartons oder er trommelt mit aufgerissenen Augen und verstörtem Blick auf einer Trommel, als sei er die Wiedergeburt von Oskar Matzerath. Zumindest die virtuose Weigerung das zu werden, was man „erwachsen“ nennt, die trotzige, naive und manchmal auch verschlagene Selbstbehauptung des Kindischen, teilt er mit Grass‘ Figur aus der Blechtrommel. Die Ernsthaftigkeit, gepaart mit einem virtuosen Perfektionismus (oder einer perfekten Virtuosität), macht das Alberne hintergründig, das Gewöhnliche einzigartig, das Belanglose magisch und schließlich die Wirklichkeit poetisch, absurd und faszinierend.

Nichts ist faszinierender als die Wirklichkeit - wenn man versteht sie wahrzunehmen. Grosche hält zwei Nudelpackungen in Händen, rasselt damit rhythmisch wie mit Rumbakugeln, und stellt fest, dass die Nudeln im ungekochten Zustand vorgäben weniger zu sein, als sie später im gekochten Zustand seien. Irgendwie sind die Nudeln wie Grosche. Er kocht die Wirklichkeit bis sie ihre ganze Größe entfaltet. Und die offenbart sich meist im Gewöhnlichsten.

Video: Erwin Grosche über Nudeln, Ausschnitt aus “Heimspiel” (Paderborn)

Erwin Grosche ist nicht nur Deutschlands ungewöhnlichster Kabarettist, Grosche schreibt zudem seit vielen Jahren erfolgreich Kinderbücher („König sein, das wär fein“, „Felicitas, Herr Riese und die Zehn Gebote“) und sonderbare Kriminalromane (zuletzt „Der falsche Priester“). Grosche ist Schauspieler, Musiker und Sprecher vor allem auf zahlreichen Kinder-CDs, er ist Träger des Prix Pantheon “Reif & Bekloppt“, des Deutschen Kleinkunstpreises, des Paderborner Kulturkreises und vieler anderer Auszeichnungen.

Die FreieHONNEFER sprach mit Erwin Grosche über Streuselkuchen, das aktuelle Fernsehprogramm und andere Höhen und Tiefen der Wirklichkeit. - Paul Schilling und Christian Preuß

Linktipps:
Erwin Grosche und wir im Pantheon - “Die Wirklichkeit und andere Übertreibungen”
www.erwingrosche.de

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