Peru – Geschichten aus einer fernen Welt
Februar 2, 2010 von admin
Mein Beruf als Kameramann und Fotograf führte mich schon mehrfach nach Peru. Die ersten Reisen unternahm ich privat, später folgten dann auch berufliche Reisen für Hilfsprojekte in der Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem für die ZDF Spendengala und die Peru-Aktion e.V.
Durch gute private Kontakte nach Peru und durch meine Arbeit habe ich viele Erfahrungen dort gesammelt. Über diese möchte ich in der regelmäßigen Kolumne „Peru - Geschichten aus einer fernen Welt“ berichten.
Peru und die dort lebenden Menschen bergen viele interessante und außergewöhnliche Geschichten. Durch meinen Beruf arbeite ich unter anderem an mehreren Dokumentarfilmen. Entsprechende Links und Hinweise zu Sendeterminen sollen folgen.
Ein Dorf in der Wüste ohne Wasser
Bei Dreharbeiten stieß ich 2008 auf ein Dorf namens Nuevo Ayacucho, das südlich von Lima in der Wüste liegt. Direkt an der Panamericana leben dort rund 800 Menschen ohne fließendes Wasser oder Strom.
Unser Team war schon mehrfach in den Armenvierteln von Peru unterwegs, daher ist uns die Situation nicht unbekannt. Die Lebensverhältnisse in Nuevo Ayacucho empfand das ganze Team jedoch als erschreckend. Unter der brennenden Sonne leben die Menschen in Hütten aus Stroh oder auch seltener aus Stein. Rundherum nichts als trockener und staubiger Boden. Durch den Wind setzt sich der Staub in den Haaren und der Kleidung ab. Unsere Kameraausrüstung sah nach dem Drehtag auch entsprechend aus und hatte am nächsten Tag eine gründliche Reinigung nötig.
Video: “Grüne Wüste Peru e.V. unterstützt das Dorf Nuevo Ayacucho in Peru. Ziel ist es in der Wüste durch Nutzung von Bioabfällen in der Wüste Gärten anzulegen. Diese sind eine Grundlage zum Anbau von Gemüse und Viehfutter.” Quelle YouTube
Bereits nach wenigen Minuten stellten sich dem Team unweigerlich drei Fragen.
Wie leben die Menschen in der Wüste?
Das Leben in Nuevo Ayacucho ist karg und eintönig und ohne für uns selbstverständliche Dinge, wie fließendes Wasser oder Strom. Dennoch ist die Wasserversorgung durch Tonnen gesichert, die vor den Hütten stehen und regelmäßig durch einen LKW gegen Bezahlung von rund 30 - 40 Cent befüllt werden. Ebenso ist die Versorgung mit Gas in Flaschen möglich. Die Hütten haben in der Regel eine sehr einfache Einrichtung. Möbel gibt es kaum. Auch Toiletten und Badezimmer fehlen. Dinge, die in Deutschland auf dem Sperrmüll landen, sind meist besser als das, was wir hier zu sehen bekamen.
Wovon leben die Menschen hier?
Diese Frage ist schon schwieriger zu beantworten. Arbeit gibt es in Nuevo Ayacucho so gut wie gar keine. Direkt an der Panamericana gibt es eine Tankstelle und zwei kleine Restaurants. Dort legen die großen Trucks kurze Zwischenstopps ein.
Viele Menschen fahren mit Überlandbussen in die nahe gelegenen Städte Chincha oder Cañete, um dort etwas zu verdienen. Ein Bewohner beispielsweise betreibt kleine Handelsgeschäfte mit Früchten, die er dort kauft und wieder verkauft.
Wieso kamen die Menschen an diesen Ort?
Wie der Name des Ortes Nuevo Ayacucho (Neu Ayacucho) verrät, kommen die Menschen aus der Gegend von Ayacucho in den Anden, einer der ärmsten Regionen in Peru und Ursprung des Terrorismus in den 80er Jahren. Die Bewohner berichten, dass diese Umstände von einem Politiker ausgenutzt wurden, um sie von dort wegzulocken, indem er ihnen fruchtbares Land versprach. Auf diesem Land sollten die Menschen Ackerbau betreiben können, um davon leben zu können. So das Versprechen.
In Peru herrscht Wahlpflicht. Die Menschen waren anfangs noch im guten Glauben, dass Land zu bekommen und so bedeutete dies hunderte Wählerstimmer mehr. Nach der Wahl war das Versprechen natürlich schnell vergessen. Vermutlich gab niemals ein ernsthaftes Bestreben den Menschen fruchtbares Land zu verschaffen!
All dies veranlasste mich dazu, den Verein Grüne Wüste Peru e.V. zu gründen. Ziel ist es, die Situation in Nuevo Ayacucho und auch anderen Armenvierteln nachhaltig zu verbessern. Unter www.gruene-wueste-peru.de finden sich ausführliche Informationen über den Verein und seine Arbeit.
Im nächsten Beitrag werde ich die von uns angestrebten Maßnahmen ein wenig näher erläutern. Ich freue mich über Kommentare und Hilfe. - Christian Walenzyk / WSW-Media Filmproduktion (www.wsw-media.de)
Christian Walenzyk. Geboren 1974 bei Köln. Hat Photoingenieurwesen und Medientechnik an der FH Köln studiert. Seitdem Inhaber der WSW-Media Filmproduktion und ebenso als freiberuflicher Kameramann und Fotograf tätig. War als Kameramann in verschiedenen Ländern Europas und der Welt unterwegs. Besonders liegt ihm Peru am Herzen, dass er mehrfach privat und als Kameramann bereist hat. Dorthin pflegt er persönliche Kontakte und schreibt hier eine Kolume über Peru. www.wsw-media.de























TV-Hinweis bei Center-TV Köln:
Donnerstag, 11.3. um 17:10 Uhr - Talkshow zum Thema Drehs in Peru.
Freitag, 12.3. um 17:10 Uhr - Kompletter Peru Film (Hilfsprojekt Prosoya)
Die Sendung heißt “Heimatfilm” und “Heimatfilm Spezial”.
Ebenso als Live-Stream im Internet zu sehen:
http://koeln.center.tv/cms/