“Whistleblower” erwünscht – nur nicht im eigenen Laden!
März 4, 2010 von admin
“Whistleblowing” bezeichnet, dem angloamerikanischen Begriff entsprechend, die Weitergabe eines im Unternehmen begangenen Verstoßes an Stellen in- oder außerhalb des Unternehmens. Diese Art der Öffentlichmachung von Verstößen oder Straftaten hat mittlerweile auch in Deutschland Fuß gefasst. Etwa auch in der NRW-CDU?
So gibt es bereits seit Jahren eine höchstrichterliche Rechtsprechung, nach welcher Mitarbeiter eines Unternehmens straffrei bleiben und auch nicht gekündigt werden dürfen, wenn sie offensichtliche Verstöße oder Straftaten im Unternehmen öffentlich machen.
Foto: Manfred Lock schreibt für Rhein-Onliner
Whistleblower oder strafbewerter Denunziant?
Nach einem Bericht im Magazin Focus-online hat die NRW-CDU nun Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, wegen “Ausspähens von Daten” im Zusammenhang mit der Sponsoring Affäre des NRW-Ministerpräsidenten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen. Der künftige Generalsekretär Andreas Krautscheid wird mit den Worten zitiert, dass mit geklauten Emails der CDU gearbeitet werde. Laut „Handelsblatt“ geht die CDU allerdings selbst davon aus, dass es sich bei dem Informanten um einen Mitarbeiter handelt. Demzufolge würde es sich bei dem Vorgang aber um ein “Whistleblowing” handeln und nicht um einen Datenklau.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob dies der richtige Umgang mit der so öffentlich gewordenen Sponsoring-Praxis ist. Statt zu akzeptieren, dass dieses Vorgehen von den Bürgern nicht toleriert wird, und sich der Öffentlichkeit zu stellen und Reue und Veränderung zu zeigen, sucht man nach dem Denunzianten. Man bauernopfert einen Generalsekretär, obwohl nachgewiesenermaßen diese Praxis schon vor dessen Amtsantritt ausgeübt wurde.
Gilt also für die CDU nicht was nach höchstrichterlicher Auffassung für jedes Unternehmen gilt? Irgendwie scheint der NRW–CDU samt Landesregierung das eigene Unrechtsempfinden und die notwendige Selbstkritik abhanden gekommen zu sein. Warum geht man so vor, wenn doch alles den Regeln entsprechend gehandhabt wurde und alles korrekt war? Was meinen Sie? - Manfred Lock
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